Es ist ein Rätsel, wieso der Mensch als Zeugnis von viereinhalb Milliarden Jahren Evolution sich immer und immer wieder überessen kann. Wieso er nicht, wie die meisten anderen Tiere, eine Fressbremse hat, die ihn satt sein lässt, wenn er genug gegessen hat.

Und wieso der deutsche Magen von Spaghetti, Pizza, Schnitzel oder Rouladen (Umfragen zufolge sind das unsere Lieblingsgerichte) nicht genug bekommen kann.

Forscher bezeichnen das Essen "über den Hunger" auch als "hedonistischen Hunger": Der Hunger dient nicht mehr dem Decken eines Kalorienbedarfs, sondern dem Stillen einer Lust.

Warum ist der Mensch trotz Überflusses so verfressen?

Dieses Rätsel also, warum der Mensch trotz allen Überflusses so verfressen ist, haben Wissenschaftler aus Italien untersucht. Palmiero Monteleone von der Universität von Neapel und sein Team berichten von ihren Forschungsergebnissen im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism".

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Die Zahl der übergewichtigen Menschen weltweit hat sich in den vergangenen dreißig Jahren nahezu verdoppelt - und zwar auf eine halbe Milliarde
Ernährungsstudie
Weniger Essen durch kontrastreiche Teller In einer kleinen Studie setzten sie acht gesunden 21-Jährigen ihr jeweiliges Lieblingsessen vor. In einer zweiten Runde des Experiments wurde den Probanden ein nicht besonders begehrtes Essen serviert.

Zudem wurde den Probanden vor, während und nach dem Essen Blut abgenommen. Hierin bestimmten die Wissenschaftler die Konzentration an Ghrelin, dem Hungerhormon.

So wollten die Psychologen herausfinden, wie der "hedonistische Hunger" entsteht. Welcher Mechanismus lässt aus dem Überlebenstrieb Hunger einen Trieb zur Lusterfüllung werden, der uns immer mehr von der Leibspeise essen lässt?

Offenbar ist es das Hungerhormon Ghrelin selbst. Wenn wir nur an unser Lieblingsessen denken, aber natürlich auch, wenn wir es essen, steigt die Konzentration in unserem Blut drastisch an. Unser Lieblingsessen schaltet also unser Sättigungsgefühl einfach aus.

Dieser Mechanismus wirft ein neues Licht auf die steigende Fettleibigkeit der Menschen. Denn wenn das Ghrelin ausgeschaltet werden könnte, würde vielleicht die Völlerei aus unserem Leben verschwinden.

http://www.welt.de/gesundheit/article106259251/Lieblingsessen-schaltet-Saettigungsgefuehl-aus.html